Ein kurzer Trip nach Irland

Bevor der Winter einbricht und ich mich endgültig in den Winterschlaf begebe (mitlerweile ist es schon so weit), entschloss ich mich für einen kleinen Ausflug nach Dublin, Irland. Die Bekannten, die ich dort besuchte kenne ich schon seit Jahren sehr gut, daher machte ich mir keine Sorgen über einen ruhigen und entspannten Verlauf der 4 tägigen Reise.
Die einzige Sorge die ich hatte war, dass es bereits sehr kühl sein könnte und das Wetter auf den Inseln sowieso nicht zu den Besten gehörte. Dementsprechend war ich auch gekleidet (dazu muss man noch im Hinterkopf behalten, dass ich von Irland direkt weiter nach Schweden gereist bin, wo ich ebenfalls kein Strandwetter erwartete).
Der Flug war zwar relativ kurz, hatte es allerdings in sich. Wie immer hatte ich das Glück in unmittelbarer Nähe (vor, hinter oder neben) jungen Eltern mit ihren quengelnden Kindern zu sitzen. Die laute Musik aus meinen Overear-Kopfhoerern reichte leider nicht um das Rütteln an meinem eh schon wenig komfortablen Sitz (Ryanair) zu ignorieren. Die Eltern schien nicht beeindruckt.
In Dublin gelandet erwies sich der Weg nach draußen als lang und schwermütig. Neben den 10km zur Passkontrolle erwartete mich noch eine Schlange aus weit über 100 gelandeten, die dasselbe Ziel verfolgten: so schnell wie möglich raus hier. Der Umstand, dass die Menschenmasse vor der Passkontrolle sehr bunt war, bestätigte die Information, dass Irland sehr multikulturell sei.
Während ich mich schwitzend unter meinen 4 Kleidungsschichten nach vorne arbeitete, dazu muss ich anmerken, dass es überraschend schnell voran ging, erhaschte ich einen Blick auf eine Person vor mir. “Ein Ire!”, schoss es mir durch den Kopf. Auch wenn ich nicht nachfragte, bin ich mir sicher, dass ich genau diesen jungen Mann am Ende des Regenbogens vorfinden würde, sollte ich mich eines Tages auf diese Reise begeben.
Kurze Hose und T-Shirt (What on earth?), relativ niedrige gewachsen, dafür stämmig gebaut. Kurze Haare, langer Bart, beides selbstverständlich in rot. Fehlten nur noch Hut und 4 blättriges Kleeblatt. Welcome to Ireland.

Nach einer kurzen Weile erblickte ich endlich die beiden mir wohlbekannten Gesichter des jungen Ehepaares, das mich bereits erwartete. Zu meiner Freude schienen mich beide noch nicht auf dem Radar zu haben. Ich lief entspannt durch die Menge an wartenden Menschen und schlich mich leise von hinten an die beiden ran: “MEIN GOTT, WO BLEIBT DENN DIESER LAPPEN?”, sagte ich übermäßig laut, sodass beide zusammenzuckten und sich irritiert zu mir umdrehten. Nach einem kurzen Augenblick der Erkenntnis fingen wir alle an zu lachen und umarmten uns herzlich. Anschließend machten wir uns auf dem Weg zum Auto.
Mein guter Freund, das Schicksal, hatte bereits eine Revanche vorbereitet. Beim einsteigen ins Auto (mir wurde aufgetragen vorne zu sitzen), kam mir erst wieder in den Sinn, dass im vereinten Königreich doch auf der anderen Straßenseite gefahren wird. Dieser Umstand, gepaart mit dem Fahrstil meines Kumpels (so weit wie möglich auffahren und im letzten Moment abbremsen) verkürzte mein Leben gefühlt um mehrere Jahre. Vor allem die Kreisverkehre sorgten jedes Mal für einen kurzen Herzstillstand.
(Am Ende des Ausflugs, auf dem Weg zum Flughafen, musste ich mit Bedauern feststellen, dass meine konstanten Belehrungen bzgl. Risikominimierung, Mindestabstand, etc. nicht gefruchtet haben. – Nun denn, in Polen lernt man eben anders Auto fahren…)

Am nächsten Morgen (1153 Uhr) machten wir uns auf den Weg in den Hafen um zu ‘Frühstücken’. Selbstverständlich war es dafür schon zu spät und wir begnügten uns mit vorzüglichen Fischgerichten und Kaffee.

Mit vollem Magen begaben wir uns Richtung Hafen um eine kleine Runde zu spazieren. “Hier im Hafen kann man oft Robben schwimmen sehen”, lies ich mir erzählen und nahm die Information mit einem stillen “Ja, ist klar!” zur Kenntnis. Zu meiner großen Überraschung tauchte zeitgleich in unserer unmittelbaren Nähe der Kopf einer Robbe aus dem Wasser. “What on earth are you doing here?” Dachte ich mir und versuchte den Moment festzuhalten:

 

 

Später am Tag fuhren wir zu einer Klippe direkt am Meer (Howth), wo es die Möglichkeit gab direkt bis ans Wasser runter zu wandern. Der Weg dorthin war schmal, steil und rutschig (man könnte zusammenfassend sagen: gefährlich. Genau mein Ding). Zum Glück hatten wir grade Ebbe und somit Verhältnismäßigkeit viel Platz um uns unten umzuschauen. Der Untergrund bestand überwiegend aus einem Steinbeet und größeren Steinflächen, die allesamt sehr rutschig waren. Neben der frischen Meeresluft konnte man einen strengen Algengeruch vernehmen (worum es sich dabei genau handelt kann man hier nachlesen: http://www.ploetzlichwissen.de/der-duft-des-meeres-oder-auch-bakterienpubs/ ). Beste Voraussetzungen für einen Spaziergang.

 

 

Wir blieben nicht lange, da die zu erkundende Fläche nicht sehr groß war und uns der Wind die Kälte in die Knochen trieb. Kurz bevor wir den Aufstieg erreichten, überschritten wir die Stelle, an der das Wasser normalerweise bei Flut steht. Erst hier nahm ich den breiten, langen Streifen an Müll wahr, den das Wasser an den Strand gespült hatte. Da ich zum ersten Mal persönlich mit so einem Ausmaß der Verschmutzung, an einem so wundervollen Ort wie diesem, konfrontiert wurde, prägte sich dieser Anblick bis heute in meinen Schädel. Neben Plastikflaschen und Schraubverschlüssen konnte man allerlei recyclebaren Abfall vorfinden. Überwiegend Plastik.
Leider war ich in dem Moment so perplex, dass ich nicht daran dachte expliziet dieses Bild festzuhalten. Ich habe die Stellen auf dem nachfolgenden Foto markiert, leider ist nur schwer zu erkennen, dass es sich wirklich um Müll handelt.

20171103_161001

Die nächsten Tage verliefen wie erwartet sehr ruhig und entspannt. Das Wetter spielte leider nicht immer mit, daher verbrachten wir viel Zeit zu Hause und trauten uns nur für einige kurze Ausflüge raus.
Wider meiner Erwartung beeindruckte mich Dublin an sich leider nicht wirklich. Hier meine ich nicht die super netten und früh am Abend schon feier-wütigen Menschen, sondern eher die Stadtarchitektur und das Feeling. Auch wenn mir Dublin sehr weitläufig und groß erschien, kam auf Grund der überwiegend vorzufindenden Einfamilienhäuser (welche zumindest meinem ästhetischen Anspruch nicht wirklich gerecht wurden) erst im Zentrum minimales Großstadtfeeling auf. Allerdings ist auch hier die Bebauung relativ flach gehalten.
Ein weiterer Punkt, der mir in Erinnerung geblieben ist, betrifft leider wieder die Verschmutzung: bei meiner Sightseeingtour durch den Stadtkern war es schwierig das Auge auf einen müll- freien Fleck zu richten. Vielleicht wählte ich einfach den letzten Tag bevor die Straßenreinigung kam, aber im Vergleich zu Deutschland und selbst Polen (wo ich viele Jahre meines Lebens verbrachte) war Müll auf den Straßen allgegenwärtig.
Trotzdem hier einige Highlights der Sightseeingtour:

 

 

Alles in allem bin ich natürlich sehr zufrieden mit meinem Trip, ich genieße es jedes Mal neue Orte und Menschen zu entdecken. Zeit mit guten, alten Bekannten zu verbringen ist sowieso unbezahlbar.

Falls du dich auf den Weg nach Irland machen willst kann ich es nur empfehlen. Die Menschen sind sehr nett und entgegenkommend, die Natur (mit etwas Glück sogar bei gutem Wetter) ein Traum.
Einen negativen Nachgeschmack hinterlässt leider die Müll-Geschichte.

Da muss sich leider jeder von uns, egal wo er ist, an die eigene Nase greifen und dafür sorgen, dass der Müll dort landet, wo er hingehört.

Ich hoffe, dass die Menschheit endlich aufmerksamer durch die Welt schreitet und die Ressourcen unseres Planeten sinnvoller nutzt und der Allgemeinheit zur Verfügung stellt. Miteinander anstatt gegeneinander. Dafür werde ich mir persönlich in Zukunft mehr Zeit nehmen.


Einen interessanten Ansatz dazu gibt es hier.
http://futurism.com/welcome-2030-nothing-privacy-life-better/

Schönen Tag und nicht vergessen zu Lächeln!

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